
Akteurszentriertes Wissen: Deutungen, Praktiken, Materialitäten
In dieser Sitzung beschäftigten wir uns mit einer Vielzahl von qualitativ-empirischen Methoden, um WeinWissen erforschen zu können. Die Ergebnisse der Diskussion wurden als Steckbriefe zusammengefasst und sind hier zu finden.
Die Disziplin der Kulturanthropologie hat vielfältige Forschungszugänge und Arbeitsweisen, um Soziales und Kulturelles zu untersuchen. So könnten sich Praktiken, Materialitäten oder symbolische Deutungen und ihre relationalen Beziehungen angeschaut werden. Denkbar sei neben historischen Ansätzen wie die Analyse von Archivquellen auch Theorien der Visuellen Kultur. Das Gegen-den-Strich-Lesen von alltäglichen Selbstverständlichkeiten und der Blick auf Konflikte, Widersprüche und Reibungsmomente sind einige fachspezifische Charakteristika.
Ethnographische Perspektiven
Neben „klassischen“ Formen der Feldforschung wie Teilnehmende Beobachtungen und Interviews benutzen die Studierenden narrative Raumkarten wie Mental Maps oder diskursanalytische und autoethnografische Ansätze, um WeinWissen zu untersuchen. Neben der Reflexion der eigenen Forscher*innenrolle stehen auch Fragen der Forschungsethik im Vordergrund.
Unsere Forschungsfelder sind nicht starr oder ahistorisch, sondern vom Forschenden konstruiert. Unsere Aufmerksamkeit richtet sich demnach auf die Prozesse und Eigendynamiken der Weinphänomene in offenen Netzwerken. WeinWissen und seine Einbettung in gesellschaftliche und globale Strukturen wird durch eine Mikroanalyse von Alltagen sichtbar. Es ist in gegenwärtigen und historischen Alltagen auf verschiedene Arten und Weisen präsent. Auch das bewusste Ablehnen von Wein bzw. von Weinkonsum gibt uns als Forscher*innen Rückschlüsse über individuelle Lebensstile und Deutungen.
In den vielfältigen Forschungsfeldern von Wein spielen sowohl naturwissenschaftliche als auch soziale und kulturelle Wissensbestände eine entscheidende Rolle. Vor allem das Zusammenwirken der verschiedenen Dimensionen konstituiert Weinphänomene.
P.S. In dieser Sitzung besprachen wir die Einführung von Andreas Bimmer des 20. Bandes der Hessischen Blätter für Volks- und Kulturforschung „Alkohol im Volksleben“. Der 55. Band dieser Reihe widmet sich der „Wein-Kultur“ und beleuchtet diese aus aktuellen kulturanthropologischen, geschichts- und religionswissenschaftlichen und judaistischen Ansätzen.
