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11. Produktion, Infrastrukturen, Nachhaltigkeit

Das Phänomen Wein ist ein spezifisches Arrangement aus Akteur*innen, Institutionen und Praktiken. Gesellschaftliche Diskurse und Debatten greifen oftmals die Frage auf, ob Wein Kultur- oder Naturprodukt sei und kodieren ihn deshalb mit spezifischen Bedeutungen. Quelle: Pixabay/ELMANQUE

In der 11. Sitzung hatten wir hatten wir den Oenologie-Professor Dr. Ulrich Fischer der Universität Kaiserslautern zu Gast, welcher sich insbesondere mit Sensorik und Nachhaltigkeit im Kontext von Weinwissen beschäftigt. Nach einer Rekapitulation der Akteur-Netzwerk-Theorie, welche menschliche und nicht-menschliche Akteur*innen symmetrisch in den Blick nimmt, spitzen wir die agency-Perspektive im Sinne neuerer Materialitätstheorien zu. Der geschärfte Blick, Wein als sinnstiftenden und aktiv-handelnden Akteur anzuerkennen, erlaubt es uns, Weinphänomene aus einer spezifischen Perspektive zu beleuchten.

Der Weg, den die Trauben hin zum uns bekannten Lebensmittel Wein durchlaufen, zeigt das Arrangement von Akteur*innen, Praktiken und Institutionen auf. Das offene Netzwerk verbindet so akademische Weinwissenschaften, Kapitalismuslogiken, traditionelle-gedeutete Handwerkstechniken, Technologien in Formen von Maschinen oder die als Naturprodukt interpretierten Trauben miteinander. Auch Messungen, Laborinstrumente und Diagramme spielen eine Schlüsselrolle in der Wissensproduktion über Wein und ihre Sichtbarkeit in alltäglichen Lebens- und Arbeitswelten.

Aus kulturanthropologischen Perspektiven können wir nach sozialen und kulturellen Deutungsmustern fragen, durch die Weinphänomene in den vielfältigen Umwelten positioniert werden. Mit welchen Kultur- und Naturkonzepten wird gearbeitet und wie werden Dichotomien reproduziert, in Frage gestellt oder neu gedeutet? Wie wird Wein in Wert gesetzt bzw. wie wird dem Produkt Wertigkeit und Qualität zugeschrieben? Welche gesellschaftlichen Wandelprozesse beeinflussen die Wissensproduktion über Wein und wie werden sie beispielsweise in den Alltagen der Weinwissenschaftler*innen sichtbar?

Welche Rolle spielen Weinwissenschaftler*innen in der Wissensproduktion über Wein? Welche Position nehmen sie in dem offenen Netzwerk ein?
Quelle: Pixabay/Donations_are_appreciated

Es wurde in der Diskussion deutlich, dass akademisches Wissen über Wein handlungsleitende Ressource für lokale und globale Ökonomien ist. Insbesondere Themenfelder und Dynamiken im Kontext von Klimawandel und Nachhaltigkeit werden wissenschaftsübergreifend diskutiert. So wird das im Universitätskontext generierte Wissen zügig in die Weinpraxis übersetzt. Aber auch kurzfristige Erscheinungen wie spezifische Konsument*innentrends werden verhandelt.

Darüber hinaus erhält Wein nationalstaatliche Identitäten und Zugehörigkeiten, welche sich durch ihre Originalität, ihre Einmaligkeit und ihr spezifisches Zusammenwirken von natürlichen Gegebenheiten wie Klima und Bodenbeschaffenheit auszeichnen würde. Daran schließen sich auch Fragen nach Geschmäckern und Genussvorstellungen an.
Weingesetze und Institutionen ihrer Umsetzung bilden hier den Handlungsrahmen einzelner Winzer*innen, in dem Kreativität gefördert, eine Minderung der Qualität beispielsweise durch das Hinzugeben von Aromen jedoch ebenso kontrolliert wird.

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